Wie du deine Erfolgsaussichten im mündlichen Steuerberaterexamen mit dem Kurzvortrag deutlich erhöhst
Warum dein erster Eindruck in der mündlichen Prüfung entscheidender ist, als viele denken
Der schriftliche Teil des Steuerberaterexamens prüft dein Fachwissen. Der mündliche Teil prüft, wie du dieses Wissen präsentierst.
Und genau hier liegt für viele Kandidat*innen die größte – und zugleich am meisten unterschätzte – Chance.
Denn im mündlichen Steuerberaterexamen sind Auftreten, Struktur und Klarheit mindestens genauso relevant wie die fachlich korrekte Antwort.

Schriftlich vs. mündlich: Zwei völlig unterschiedliche Prüfungswelten
Während im schriftlichen Examen Zahlen, Normen und systematisches Arbeiten im Vordergrund stehen, verschiebt sich der Fokus im mündlichen Teil deutlich:
Wie trittst du auf?
Wie gehst du strukturiert an ein Thema heran?
Wie verständlich erklärst du komplexe Sachverhalte?
Wie sicher wirkst du unter Beobachtung?
Der Kurzvortrag ist dabei dein erster Berührungspunkt mit der Prüfungskommission – und damit dein erster Eindruck. Und dieser wirkt nach.
Den genauen Ablauf der mündlichen Steuerberaterprüfung haben wir bereits ausführlich in unserem Beitrag aus 2024 dargestellt.
In diesem Artikel geht es um etwas anderes, nämlich wie du mental stark, souverän und erfolgsorientiert durch die mündliche Prüfung gehst.
Die unbequeme Wahrheit über Präsentationen vor Menschen
Vor anderen Menschen zu sprechen gehört – wissenschaftlich belegt – zu den größten Ängsten überhaupt. Die Vorstellung, „auf dem Präsentierteller zu stehen“, beobachtet zu werden und potenziell zu scheitern, erzeugt enorme Unsicherheit.
Die gute Nachricht:
👉 Für einen überzeugenden Kurzvortrag musst du nur drei Dinge beherrschen.
Die drei entscheidenden Erfolgsfaktoren für deinen Kurzvortrag
1. Rule of 5×P: Practice, practice, practice, practice, practice
Routine entsteht ausschließlich durch Übung. Nicht durch Lesen. Nicht durch Nachdenken. Durch Vortragen.
Dabei ist es völlig egal, ob dein Publikum steuerlich versiert ist oder nicht:
Vorträge vor Familie (z. B. an Weihnachten 😉)
regelmäßige Übungsrunden mit Arbeitskolleg:innen oder Lernpartner*innen
Vortragen vor dem Spiegel
All das hilft dir, Sicherheit, Ruhe und ein souveränes Auftreten zu entwickeln.
Je öfter du präsentierst, desto weniger Raum bleibt für Nervosität.
2. Niemand kann dir in den Kopf schauen
Ein zentraler psychologischer Punkt, den viele unterschätzen:
👉 Niemand weiß, was du eigentlich sagen wolltest – außer dir selbst.
Weder Prüfer*innen noch Zuhörer*innen können Gedanken lesen.
Selbst wenn du kurz den roten Faden verlierst, merkt das in der Regel niemand, solange du ruhig bleibst und weitersprichst.
Die meisten Kandidat*innen scheitern nicht am Inhalt, sondern daran, dass sie ihren eigenen inneren Fehler größer machen, als er objektiv ist.
3. Verknüpfe dein Thema immer mit einem aktuellen Bezug
Jedes steuerliche Thema lässt sich mit wirtschaftlichen oder politischen Entwicklungen verbinden. Das zeigt nicht nur Fachwissen, sondern Einordnungskompetenz – ein entscheidendes Signal an die Prüfungskommission.
Beispiele:
Verspätungszuschläge → Kosten der Steuerberaterausbildung → Liquiditätswirkung durch Steuererstattungen
Degressive AfA → Investitionsanreize → Konjunkturbelebung
Abzugsfähigkeit von Spenden → gesellschaftliche Verantwortung und Steuerlenkung
Aktualität schafft Relevanz und Relevanz bleibt im Kopf.
Übung unter realistischen Prüfungsbedingungen
Trage so lange vor, bis es dich keine Überwindung mehr kostet und deinen Zuhörer*innen sprichwörtlich „aus den Ohren herauskommt“.
Dabei muss es nicht immer ein steuerliches Thema sein. Natürlich ist das ideal – aber nicht zwingend notwendig.
Wenn deine Mutter wissen möchte, was der neue Thermomix kann:
Perfekt. 👉 30 Minuten Vorbereitung. Danach Vortrag.
Wichtig:
maximal 30 Minuten Vorbereitungszeit
bewusste Pausen beim Sprechen
klare Betonung deiner Kernaussagen
Genau wie im echten Examen.
Übung in der Gruppe: So nah wie möglich an der Realität
Wenn du mit Arbeitskolleg*innen übst, bewährt sich folgende Methode:
Jede Person bringt drei mögliche Vortragsthemen mit
Themen werden im Ringtausch verteilt
Stifte nach 30 Minuten weglegen
So simulierst du die Prüfungssituation nahezu perfekt – mit dem einzigen Unterschied, dass ihr keine externe Prüfungskommission habt.
Zusätzlicher Vorteil:
Du lernst aus den Vorträgen der anderen
Ihr erkennt gemeinsam, was gut ankommt und was nicht
Durch wechselnde Reihenfolge erlebt jede*r den echten „Startmoment“
Betrüge dich dabei nicht selbst:
👉 Mehr als 30 Minuten Vorbereitung gibt es im Examen auch nicht.
Der Aufbau deines Kurzvortrags: Die Macht der 3 Take-Aways
Baue jeden Vortrag konsequent um drei Take-Aways auf.
Warum?
Studien zeigen, dass Zuhörer*innen im Schnitt nur etwa 4 % der Vortragszeit aktiv aufnehmen. Selbst wenn eine prüfende Person stark auf den fachlichen Inhalt fokussiert ist, zählt in der anschließenden Besprechung, was hängen geblieben ist.
Und nichts ist stärker als:
„Der Prüfling hat Punkt 1, 2 und 3 sehr klar und überzeugend dargestellt.“
Warum genau drei?
Die sogenannte „Rule of Three“ ist tief in unserer Wahrnehmung verankert:
Zwei Punkte wirken unvollständig
Vier oder mehr wirken überladen
Drei Punkte hingegen erscheinen:
vollständig
logisch
glaubwürdig
So integrierst du die Rule of Three praktisch
Ein bewährtes Schema für jeden Kurzvortrag:
Zwischenfazit
(Daumen einsetzen)Ergebnis / Kernaussage
(Daumen + Zeigefinger, ggf. kurzes Wiederholen des Zwischenfazits)Konkretes Beispiel mit aktuellem Bezug
(Mittelfinger hinzunehmen)
Formulierungsbeispiel:
Welche Auswirkungen diese Thematik hat, möchte ich anhand eines aktuellen Beispiels aus Politik und Wirtschaft verdeutlichen.
So führst du deine Zuhörer*innen klar, strukturiert und merkfähig durch deinen Vortrag.
Fazit: Der Kurzvortrag ist deine größte Chance
Der Kurzvortrag ist nicht nur Pflichtbestandteil der mündlichen Steuerberaterprüfung.
Er ist dein stärkstes Instrument, um:
Kompetenz auszustrahlen
Sicherheit zu vermitteln
einen positiven ersten Eindruck zu setzen
Wer hier strukturiert, ruhig und klar auftritt, startet mit einem enormen psychologischen Vorteil in die Prüfung.
Und genau dieser Vorteil entscheidet am Ende oft über Bestehen oder Nichtbestehen, weil er sich durch den ganzen Prüfungstag zieht.
